Archive for April, 2010


Nachruf

Einige werden sich vielleicht wundern, wieso ich hier einen Nachruf einstelle, schließlich ist das Blog ein reines Bücherblog. Doch nicht nur, ist die Verstorbene eine Autorin gewesen, sie ist zudem auch diejenige, der ich irgendwo und irgendwie mein Studium verdanke. Und das hat mich letztlich auch zu diesem Blog gebacht.

Ich bin Studentin der Kommunikationswissenschaften und auch wenn ich Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Elisabeth Noelle nie persönlich kennen lernen durfte, prägte sie doch mein Studium in ganz besonderem Maße. Nicht nur, dass ich viele verschiedene Fachtexte von ihr las – und sicher auch noch mehr davon lesen werde – sie ist zudem meinem Institut in besonderem Maße verbunden gewesen. Der Leiter unseres Insituts war Schüler und lange Zeit auch Mitarbeiter von ihr und die beiden verband eine besondere Freundschaft.

Frau Noelle, wie sie sich zuletzt nannte, ist vor allem auch unter dem Namen Noelle-Neumann (zeitweise auch Noelle-Neumann-Maier-Leibnitz) bekannt, publizierte sie soch immer unter diesem. Sie ist – so oft in unseren Vorlesungen aber auch in den Medien hervorgehoben – die „Grande Dame der Meinungsforschung“. Sie brachte die Methoden der Demoskopie nach Deutschland, nachdem sie sie in Amerika kennen gelernt hatte. Ohne sie gäbe es die „Sonntagsfrage“ in dieser Form vermutlich nicht. Ihre berühmteste Theorie ist die der „Schweigespirale“, eine Theorie die sich mit der öffentlichen Meinung befasst. Sie besagt, dass die Bereitschaft vieler Menschen, ihre Meinung zu äußern, oftmals davon abhängt, welche Meinung sie als die Mehrheitsmeinung ansehen. Gehr die eigene Meinung mit dieser nicht konform, so kann dies dazu führen, dass derjenige schweigt. Das kann zu einer Spirale führen, in der immer mehr Menschen aus Furcht von den Mitmenschen isoliert zu werden schweigen, bis irgendwann die angenommene Mehrheitsmeinung eigentlich die einer Minderheit ist. Besonders der Einfluss der Medien war und ist hier von Interesse.

Ich konnte Elisabeth Noelle leider nicht kennen lernen, und muss zu meiner Schande zugeben, erst durch mein Studium von ihr gehört zu haben. Dennoch hat mich – und auch meine Kommilitonen – die Nachricht ihres Todes erschüttert. 93 Jahre alt zu werden ist ein Segen – doch niemand von uns hat mit ihrem Tod so schnell gerechnet, wurde sie uns doch immer als eine sehr dynamische und lebensfrohe Dame dargestellt. Das war sie sicher – doch die Meinung kann über das Alter wohl nicht hinwegtäuschen… Ihre Werke werden uns auch in diesem Semester wieder begleiten.

Ohne sie gäbe es nicht nur eine andere Meinungsforschungssituation in Deutschland, auch wäre ich vermutlich nicht an diesem Institut und würde indirekt von ihr lernen.
Ohne sie, wäre die Kommunikationswissenschaft nicht das, was sie heute ist.
Ohne sie ist die Kommunikationswissenschaft nicht mehr das was sie war.

Elisabeth Noelle starb am 25. März 2010 in Allensbach am Bodensee.

Geschrieben wurde “Pan-Thau-Ra 3 – Die Quantenfestung” von Marc Hillefeld.

Ausgabe von 2006 / Erhalten Dezember 2009 / Gelesen Mitte Jan. 10 – Anfang Feb. 10

Für Perry-Einsteiger geeignet? Nur wenn die Teile eins und zwei auch gelesen wurden, ansonsten nicht. Das gilt aber auch für “eingefleischte” Perry-Fans.

Der erste Satz…

“Im Gegensatz zur Auffassung der meisten Menschen verläuft eine Raumschlacht alles andere als lautlos.”

… führt uns direkt mitten in das Geschehen: Perry ist in dieser Sequenz – wie auch in den folgenden, die an Bord eines der leitenden Loower-Schiffe spielen – Beobachter einer gigantischen Raumschlacht, in die er nicht eingreifen kann. Er ist „Gast“ eines der beiden Brüder und darf Fragen stellen – ob er Antworten bekommt ist jedoch fraglich.

Wieder gibt es verschiedene Ebenen: Perrys an Bord des Loower Schiffes, die Erlebnisse eines Biophoren – eines jener Wesen an Bord der Pan-Thau-Ra, welche die Loower so erbittert auszurotten versuchen. Dann ist da natürlich auch wieder die Handlungsebene von Gucky, der immer noch versucht Perry zu finden und zu retten. Und Bully spielt auch wieder eine große Rolle, ahnt er doch, dass die ganzen „kleineren“ Schlachten (wenn man hier von klein reden kann) nur Geplänkel in Vorbereitung auf die wirklich große „Endschlacht“ sind.

Diese will er verhindern, oder immerhin versuchen einzugreifen. Und dafür muss er natürlich den Ort kennen, an dem sie stattfinden soll. Um aber nicht die ganze Zeit tatenlos rumzustehen, macht er sich in einem kleinen Schiff auf die Suche nach Hinweisen über die Hintergründe der Loower-Schlacht sowie ihrer Technologie. Und natürlich hofft er auch auf Hinweise zu  Perrys Verbleib.

Gucky wird immer noch nicht schlau aus seiner Begleitung, stolpert aber von einer schwierigen Situation in die nächste, typisch Gucky halt. Herausfinden kann er dabei aber so einiges.

Herausfinden wollen auch einige Terraner was, die auf dem Loower-Planeten, der aus Band 2 bekannt ist, etwas seltsames gefunden haben und nun versuchen einen gewaltigen Schutzschirm zu knacken um die ganzen Fragen hoffentlich beantworten zu können, die dieses „Artefakt“ aufgibt.

Immer wieder wird jedoch auch eine Sequenz eingeschoben, die nicht so recht passen mag, kann man sie als Leser doch kaum einordnen. Es sind die Gedanken eines Wesens mit scheinbar sehr großer Macht, sehr großen Kräften. Wie sie mit all dem zusammenhängt kommt erst am Ende der Geschichte heraus.

Nicht nur dadurch ist das Buch – fast schon mehr als die vorhergehenden Bände – sehr spannungsgeladen und lässt einem als Leser kaum die Gelegenheit bei einer „ruhigen Stelle“ das Buch zuzuklappen um zumindest ein bisschen Schlaf zu bekommen…

Mich persönlich hat besonders die Geschichte der Biophoren fasziniert, da sie im Laufe der Zeit erkennen müssen, dass wenn sie sich nie wehren, ihre Kultur untergehen wird. Wenn sie sich aber wehren, brechen sie mit ebendieser Kultur, die nicht nur sehr friedlich ist, sondern das Leben als solches um jeden Preis schützt. Biophore sehen jedes Lebewesen als eine Tür in ein einzelnes Universum – eine Einstellung die mich sehr an Buddhisten erinnerte, und sehr beeindruckt hat. Auch wenn sie letztlich doch die Konfrontation suchten um ihr eigenes Leben – ihr eigenes Universum – zu retten.

Das Ende des Buches kam sehr plötzlich – und hat mir, wenn ich den Epilog mit bedenke, so gar nicht gefallen. Ohne Epilog war das Ende jedoch sehr schlüssig, gut geschrieben und spannend bis zur letzten Seite. Jeder muss jedoch selbst entscheiden, ob der Epilog was für ihn ist oder nicht.

Fazit zur Trilogie:
Nichts für Einsteiger, aber Nicht-mehr-so-ganz-Perry-Neulinge werden ihren Spaß haben, sofern sie Geschichten mögen, in denen Perry und co. vielleicht auch nur Randhauptfiguren sind. Auch sind die verschiedenen Handlungsstränge die noch dazu zu verschiedenen Zeiten spielen nicht jedermanns Sache, und immer neue Figuren in jedem einzelnen Band machen das Lesen bei den Übergängen zwischen den Büchern etwas anstrengend.

Cover:

(Quelle: Amazon.de)

Was lange währt, wird endlich gut… Oder so ähnlich. Nun folgt endlich Teil zwei der Rezensionsreihe zur Pan-Thau-Ra-Trilogie

Geschrieben wurde “Pan-Thau-Ra 2 – Die Trümmersphäre” von Andreas Brandhorst.

Ausgabe von 2005 / Erhalten Dezember 2009 / Gelesen Anfang Jan. 10 – Mitte Jan. 10

Für Perry-Einsteiger geeignet? Nur wenn das erste Buch auch gelesen wurde, ansonsten nicht. Das gilt aber auch für „eingefleischte“ Perry-Fans

Der erste Satz…

„>>Morgen um diese Zeit bist du tot.<<„

… führt uns direkt in eine bezaubernde Geschichte: Sie handelt von Karn-Terg, einem in misskredit gefallenen Loower, der vor der Einkehr der Loower ein Pilot war, nun aber als Strafe für ein Verbrechen zum Kinderwart wird und als solcher über den Nachwuchs der Loower zu wachen hat.

Dies ist einer der – wieder – vier Handlunsebenen, welche sich durch das gesamte Buch ziehen. In einer anderen Ebene begleitet man als Leser Gucky, welcher von Bull auf die Suche nach Perry geschickt wurde. Mit diesen beiden treibt man sich dann in den letzten beiden Handlungssträngen rum.

Auch dieser Teil der Trilogie fesselt – besonders durch die Erzählungen des Kinderwarts, die viel Licht ins Dunkel bringen, was die vermeintlich sinnlose Schlacht anbelangt. Er ist ein interessanter Charakter – vor allem die Wandlung, die er durchmacht, ist gut geschildert, wenn auch vielleicht ein wenig vorhersehbar. Ohne seine Geschichte würden die Hintergründe der ganzen Ereignisse nur „abgehandelt“ – so bekommen sie ein Gesicht, das einen mitfühlen lässt, sehr sogar.

Bullys Sorgen um seinen besten – und wahrlich ältesten – Freund sind ebenfalls nachvollziehbar, hinterlassen aber (jetzt aus der Entfernung gesprochen) nicht den gleichen intensiven Eindruck. Vermutlich, weil man als Leser ganz genau ahnt bzw. weiß, dass Perry doch wieder überleben wird. Das ist der Perry-eigene Spannungskiller um den alle Autoren irgendwie herumarbeiten müssen. Bedenkt man diesen Spannungskiller sind die jeweiligen Szenen jedoch gut geschrieben.

Gucky dagegen wirkt etwas blass, trotz der typisch frechen Sprüche. Aber man kann ja nicht alles haben, oder?

Perrys Erlebnisse geben dagegen einen klasse Einblick in die Hintergründe, hinter die er zumindest in Teilen kommt. Seine Erlebnisse sind der genaue Gegenpart zu den Erzählungen des Kinderwarts: Dessen Geschichte ist recht ruhig, Perrys Erlebnisse typisch actiongeladen. Doch genauso wenig wie die ruhigen Teile des Buches langweilig sind, erlebt Perry irgendwelche Gemetzel – viel mehr sind seine Erlebnisse von einer gewissen Schnelligkeit geprägt.

Insgesamt erahnt man im zweiten Teil der Trilogie schon eine Richtung bezüglich der Hintergründe des Bruderkrieges der Loower, wirklich alle Fragen sind jedoch nicht geklärt, vielmehr wurden neue Fragen aufgeworfen, die nun in Teil drei beantwortet werden müssen.

Cover:

(Quelle: Amazon.de)