Archive for November, 2010


Gestern war ich mit meiner Schwester und deren Kollegin bei einer Lesung von Ken Folletts „Fall of Giants“ /“Sturz der Titanen“ im Thalia Haus des Buches in Dresden. Wie man sieht, war sie gut besucht:

Ken Follett war schon zwei Mal in Dresden, einmal 2002 kurz nach der Jahrhundertflut und einmal 2008  – und beide Male habe ich es verpasst ihn live sehen zu können. Diesmal war das zum Glück anders 🙂 Er hat sich übrigens sehr gefreut, dass unsere Stadt nach der Flut wieder so wunderschön geworden ist – Recht hat er! Und er ist begeistert, überall die Plakate, die „Die Säulen der Erde“ als TV-Vierteiler ankündigen, zu sehen. Auch wenn er immer ein wenig skeptisch ist, Filmmachern seine Werke zu überlassen, ist er von der Miniserie begeistert, weil die Filmleute sich anscheinend der Thematik gut angenommen haben. Begeistert ist er von den Schauspielern (er hat auch die deutschen Schauspieler hervorgehoben), die das von ihm authorisierte Script wohl wunderbar umgesetzt haben.  – Also noch ein Termin mehr im Kalender: Montag, 20.15 Uhr, Sat.1, da läuft der erste Teil, die anderen folgen im Wochenrhythmus. Im vierten Teil hat er übrigens auch eine kleine Rolle übernommen.

Die Lesung begann recht pünktlich um 20:15 (Primetime ;-)), moderiert wurde sie von irgendeiner Bürgermeisterin aus Köln. Vermutlich reist die mit Ken Follett durch ganz Deutschland und moderiert die Lesungen überall. Zunächst gab es ein paar Fragen an Ken und sowohl Fragen als auch Antworten wurden immer grob ins Deutsche übersetzt, auch wenn erstaunlich viele Gäste genau an den richtigen Stellen gelacht haben und man gemerkt hat, dass viele im Publikum Kens britisches Englisch wunderbar verstehen. In Sachsen eigentlich ein Wunder 😉 Nach ein wenig Vorgeplänkel zu den TV-Säulen der Erde ging es dann um sein neuestes Werk. Mit über 1000 Seiten ist erst der erste Teil seiner Jahrhundert-Trilogie, welche in Band 1 fünf Familien im ersten Weltkrieg begleitet, in Band 2 deren Kinder im zweiten Weltkrieg und Band 3 spielt dann bei den Enkeln im Kalten Krieg. Er nimmt sich mit dem 20. Jahrhundert diesmal also nicht des Mittelalters an, sondern einer Zeit, die wir a) alle kennen (ob nun selber zum Teil erlebt haben oder aus Erzählungen unserer Eltern und Großeltern kennen) und b) die er als ebenso gefährlich und spannend erachtet wie das Mittelalter:

Noch nie haben sich Menschen so verbissen bekämpft und so viele ihrer eigenen Art umgebracht. Und wir haben selber wohl zu keiner anderen Zeit einen besseren Bezug, als zu „unserem“ 20. Jahrhundert, welches uns – nicht zuletzt durch die ganzen demokratischen Bewegungen – bis heute prägt. Diese Zeit, so Ken Follett, ist für ihn ein sehr spannendes Feld, hier kann man besonders gut die Ängste und Hoffnungen der Generationen herausstellen. Und selbst wer erst, wie ich, irgendwo in den ersten von 42 Kapiteln steckt, der merkt, dass diese Zeit auch für den Leser sehr spannend ist!

Ein wenig aus dem Nähkästchen hat der gute Ken dann auch noch geplaudert – z.B. dass er seiner Familie immer wieder Auszüge vorlegt zum kritisieren. Wenn dann irgendwo eine Bemerkung dran steht, weiß er: Dieser Abschnitt hat nicht die Dramaturgie rübergebracht, die ich eigentlich da haben wollte, denn man soll nicht aufhören können zu lesen. Dann kann es auch mal sein, dass da zwar steht „Kapitel langweilig, bitte kürzen!“, er das Kapitel aber im Gegenteil verlängert um eben besagte Dramaturgie wirklich auszubauen. Kleine Anmerkung, lieber Ken: Das „nicht aufhören können zu lesen“ gelingt Dir wunderbar, ich habe schon so manche Nacht viel zu wenig geschlafen und bin in der Uni so manches mal in Zeitverzug wegen Deiner Bücher gekommen! (Ich verzeih Dir das aber, wenn Du mindestens 90 wirst und noch zig Bücher schreibst ;-))

Übrigens wird ihm immer wieder erzählt, er habe ja einen Pilotenschein – was Quatsch ist. Er hat für eines seiner Bücher nur mal Flugstunden genommen – und eine lustige Geschichte davon erzählt. Er ist nämlich der Meinung, man solle für Flugstunden nicht älter sein als 19 – und nicht 50, wie er zu dem Zeitpunkt. Man müsse sich so viel merken und auf viele verschiedene Sachen gleichzeitig konzentrieren, so Ken, und das wäre nichts für ihn. (Danke, nun vertrau noch einer den Piloten die täglich zig Flugmeilen fliegen und KEINE Teenies mehr sind :P) Er habe auch nie selber so einen kleinen Vogel fliegen dürfen, nur eine Landung wäre ihm mal vergönnt gewesen. Was wohl entsprechend glatt gelaufen ist: Normalerweise fliegt man bis auf eine Resthöhe von 3 Metern, und sinkt dann über 100 Meter nur noch langsam. Er muss das wohl vergessen haben, denn er ist einfach auch die letzten Meter sehr schnell gesunken und hat eine entsprechend holprige Landung hingelegt. Ihm tat dabei vor allem seine junge Fluglehrerin leid, die kalkweiß aus dem Vogel ausgestiegen ist.

Ebenso lustig hat er seine erste Begegnung mit Barbara Follett auf die Frage hin beschrieben, wie viel Einfluss seine Frau auf seine Werke hat. Viel übrigens 🙂 Aber die erste Begegnung muss wohl ähnlich holprig gewesen sein, wie seine oben beschriebene Landung: Es war bei einer Sitzung der Labour Party, die Barbara geleitet hatte und dabei sehr „bossy“ mit den anderen umgesprungen sein muss. Ken hat ihr daraufhin einfach aus Prinzip immer wieder wiedersprochen bis: „somtime we stopped arguing and fell in love.“ 🙂

Aber nicht nur seine Frau spielt für seine Werke eine große Rolle, auch seine Vorfahren, insbesondere für sein neuestes Buch. Denn der Junge, Billy, der im ersten Kapitel an seinem 13. Geburtstag zum ersten Mal in der Mine arbeiten muss, ist stark an seinen Großvater angelehnt, der damals ebenfalls mit 13 Minenarbeiter wurde. Übrigens ist Ken der Ansicht, dass die Arbeit in der Mine – wie man auch vor einigen Wochen sehr gut in Chile sehen konnte – immer noch viel zu viele Gefahren birgt, auch wenn er erleichtert ist, dass nun wenigstens keine Dreizähnjährigen hinabsteigen müssen.

Übrigens – die Brüder, so Ken Follett, die in Russland beschrieben werden, wie sie versuchen Tickets nach Amerika zu bekommen, die gab es wirklich. Es sind die Brüder der Mutter eines Freundes, die ebenfalls nur eine Karte nach Amerika bezahlen konnten – und die Schwester schickten. Und auch hier brach nach einigen Jahren und durch den Krieg die Verbindung zwischen den Familienmitgliedern ab – bis ungefähr in den 80ern. Da boten die Brüder dann der Schwester an, zurück nach Russland zu kommen, weil sie glaubten, sie habe das schlechtere Los gezogen: Während die Brüder die Sowjetunion mit aufbauten, fuhr ihre Schwester in Cadillac und Nerzmantel durch Kalifornien…

Neben diesen Hintergrundinfos gab es natürlich auch noch Erzählungen aus seiner Arbeitsweise – zum Beispiel hat er allein sechs Monate nur damit zugebracht geschichtliche Bücher zu lesen um die Zeit besser kennen zu lernen. Hilfreich waren hierbei vor allem auch Bildbände, die wunderschön zeigten, was damals getragen wurde, was es in den Läden zu kaufen gab und wie die Menschen sich z.B. fortbewegten. Und er beruhigte seine Leser: Denn obwohl er seine Charaktere im Vordergrund sieht und die historischen Fakten „nur“ als spannenden Hintergrund sieht, hat er sich äußerste Mühe gegeben, die Geschichte nicht zu verfälschen. D.h. jede reale Figur die irgendwo irgendwas sagt, hat diesen Ort a) tatsächlich um diese Zeit herum, oder genau an dem Tag, besucht, und b) hat auch das was sie sagt so oder ähnlich gesagt – sei es nun in Ansprachen, in Briefen oder in Hinterzimmergesprächen. Ebenso versucht er auch bei der Darstellung der Verhältnisse der verschiedenen Personen zueinander historisch korrekt zu sein – und räumt so nebenbei möglicherweise mit dem ein oder anderen Vorurteil über einzelne Personengruppen auf. Beispielsweise sind die britischen Offiziere wohl doch nicht so deppert, wie die Briten es wohl allgemein immer glauben/geglaubt haben.

Vorgelesen wurde nach noch allerlei mehr Fragen dann ein wenig was vom Anfang des Buches – nämlich vom Minenunglück, dass sich zu Beginn ereignet und wunderbar darstellt, wie gefährlich die Arbeiter ihr Brot verdienen mussten, und was die Minenchefs alles an Maßnahmen, die den Kumpels das Leben hätten retten können, aus Geldgier unterlassen haben.

Abwechselnd haben Ken Follett und die Moderatorin diese Texttellen vorgelesen und besonders wenn er las, kam man richtig in die Geschichte rein. Ist halt doch was anderes, wenn der Autor selbst aus seinem Buch liest, oder jemand eine Übersetzung vorliest. Und er hat auch eine wesentlich bessere und schönere Stimme als diese Dame. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte er ihren Part auch und noch viel mehr vorlesen können.

Und eine kleine Anekdote noch zum Schluss: Er wurde nach seinen Träumen damals als kleiner Junge und heute als erfolgreicher Autor gefragt. Seine Antwort: Früher habe er sich vorgestellt, ein „space ship“ zu fliegen – heute ist er wunschlos glücklich. Denn er darf das machen, was ihm am meisten Freude bereitet.

Leider war dann nach ein paar kurzen Fragen auch schon wieder alles vorbei und wir konnten uns einreihen um unsere Bücher signieren zu lassen. Ein netter Mensch – er hat jeden einzeln angesehen und angelächelt und auf mein „Thank you“ sogar mit „You’re welcome“ geantwortet. Schade, dass ich dann schon los musste, ich wäre gerne noch geblieben, um vielleicht ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Aber ich denke, wenn er schon drei Mal in Dresden war, wird er zum nächsten Buch auch wieder herkommen. Also, bis 2012 lieber Ken 🙂

Ken Follett, 12.11. 2010, Thalia Haus des Buches, Dresden

Vor ungefähr zwei bis zweieinhalb Jahren habe ich einen sehr ungewöhnlichen Leserbrief geschrieben – fünf Wordseiten lang, und über mehrere Wochen hinweg geschrieben. Der ging damals an Christian Montillon, LKS-Onkel und Exposéautor von Perry Rhodan Action, nachdem ich eine ganze Weile damit zugebracht habe den (abiturbedingten) Rückstand beim Lesen der PRA-Hefte aufzuholen. Übrigens wurde ein kleiner Teil dieses Briefes auf der letzten LKS mit Leserbriefen von PRA auch veröffentlicht.

Damals habe ich den Versuch, mich wieder an die aktuelle Handlung „ranzulesen“ als Aufholjagd bezeichnet. Die Aufholjagd 2.0 bezieht sich also auf was ganz ähnliches: Gestern, am 5.11.2010 erschien Heft Nr. 2568 der Erstauflage – und ich bin gerade bei Heft 2534 angekommen. Alles klar? Ich muss wirklich ein „bisschen“ was nachholen, wenn ich, das ist trotz Unistress mein Ziel, Pünktlich zum Staffelende (Heft 2600) wieder in der aktuellen Handlung ankommen will.

Glücklicherweise habe ich im Moment das Glück, jede Woche ca. zwei oder drei Hefte lesen zu können, macht insgesamt dann gute drei bis vier Monate… Ist also noch zu schaffen – hoffe ich!

Seit ich aus Spanien zurück bin, bzw. seit ich den Andromeda-Wälzer beendet habe, hab ich „schon“ die Hefte 2524 bis 2533 gelesen, wie gesagt 2534 ist momentan „in Arbeit“. Soweit ist die Handlung ziemlich gut, die Frequenz-Monarchie ist ein typischer Gegner, bissl besser als die guten Terraner, völlig unbekannt daher auch nicht durchschaubar – aber, soweit sich das bisher überblicken lässt, kein zu übermächtiger Gegner.

Was mich jedoch stört ist, dass die Handlung immer so abrupt umschaltet – im einen Heft geht es noch um Perry, seine Begleiter und die Erlebnisse im Polyport-Netz und im nächsten plötzlich um Atlan, Gucky und irgendwelche eigenartigen Planetenvölker. Mir ist schon klar, dass man schlecht Perry alles im Alleingang machen lassen kann – aber ich fänds besser wenn der Namensgeber der Heftserie nicht einfach mal zehn Hefte lang so gar nicht vorkommt, dann nur zwei oder drei Hefte wieder da- danach aber schon wieder weg ist! Da könnte man „Perry Rhodan“ ja gleich in „Perrys lustige Kumpel und… ach ja, Perry“ umbenennen.

Okay, zugegeben, jetzt werd ich fies. Ich gehöre wohl aber zu den Lesern, die die Reihe wegen des Titelhelden (und natürlich auch wegen der „lustigen Kumpel“) lesen. Und ich mag es nunmal nicht, wenn die Hauptfigur über längere Zeit in einer Szene hockt, als hätte man in einem Film auf „Pause“ gedrückt – nur um besagten Titelhelden wieder loslaufen zu lassen, wenn die Nebenfiguren den Weg bereitet haben, oder zumindest auf ihre eigenen Kosten gekommen sind. In der Hinsicht fehlt mir PRA ein wenig – zwar ist die Handlung der Erstauflage durchaus spannend, aber es ermüdet irgendwann, wenn man sich von Heft zu Heft immer wieder auf einen neuen Schauplatz inkl. neuer Akteure einstellen muss. Das war bei PRA schon durch die 12-Heft-Zyklen nicht möglich.

Nun gut, ich werde mich weiter an die „Gegenwart“ ranlesen, und hoffe dass ich nach Heft 2534 nicht wieder zehn Hefte auf meinen Lieblingsprotagonisten warten muss. Weitere Meinungen zur Handlung gibt es dann wieder hier, wenn ich was zu meckern gefunden hab 😉

 

Eine kleine Anmerkung vorweg: Da dieses Buch wirklich ein ganz besonderes ist, werde ich mich nicht – wie bisher – an mein Rezensions-Schema halten. Und ich werde auch nicht jedes Buch einzeln rezensieren – das würde a) zu Unizeiten (die gerade wieder angebrochen sind) gar nicht möglich sein und b) das Buch unnötig „zerstückeln“. (Ach ja, die Bücher die ich vor diesem gelesen hab, werden natürlich auch noch rezensiert, keine Frage!)

Also:

Perry Rhodan – Andromeda ist ein Sammelband, in dem alle sechs einzeln erschienenen Bände zusammen gefasst sind. (Das ist zwar schonender für den Geldbeutel, aber nicht für die Handgelenke, die den Trümmer halten müssen!) Das sind:

Die brennenden Schiffe von Uwe Anton

Die Methanatmer von Hubert Haensel

Der schwerelose Zug von Leo Lukas

Die Sternenhorcher von Frank Böhmert

Der Schattenspiegel von Frank Borsch

Die Zeitstadt von Ernst Vlcek

Der Sammelband erschien 2005, gekauft habe ich ihn Anfang August 2010, gelesen von Mitte September 2010 bis Anfang Oktober 2010.

Anzahl der Seiten: 1068.

Cover: (Quelle: Amazon.de)

Worum geht es?

Der Band  Die brennenden Schiffe beginnt zunächst recht harmlos – Perry scheint nur mal eben ein wenig übergeschnappt zu sein. Nein, mal im Ernst, Perry wird gleich zu Beginn des Buches von einer wunderschönen, wenn auch reichlich unwirklich erscheinenden, unbekannten Frau geweckt. Die kann zudem auch nicht vom Schiffsrechner angemessen werden, theoretisch ist sie also gar nicht da.

Diese unbekannte Frau ist aber nicht (nur? ;)) zu ihrem Vergnügen da, vielmehr bittet sie Rhodan um Hilfe. Wobei und vor allem wo er helfen soll ist dabei jedoch unbekannt. Perry wäre aber wohl kaum Perry, wenn er sich nicht auch auf blauen Dunst hin aufmachen würde um wem auch immer zu Hilfe zu eilen.

Mit einer kleinen Crew, die in diesem und den folgenden Büchern auch immer wieder näher vorgestellt wird, macht er sich auf in Richtung Andromeda, sozusagen der „Nachbar“-Galaxis von der Milchstraße. In dieser Richtung, so Perrys Gefühl (vermutlich von Kiriaade, der geheimnisvollen Frau, beeinflusst) liegt die Bedrohung. Eine eigenartige Barriere am Rande Andromedas, welche das kleine Schiff nur mit großer Not zu durchstoßen vermag, bestätigt diese Vermutung. Irgendwas geht in Andromeda nicht mit rechten Dingen zu.

Was das ist wird nun auf meist zwei oder drei Ebenen erzählt – aus der Sicht der Crew (und Perry antürlich), ebenso wie aus der sicht einer tefrodischen Ärztin, die einen der Überfälle der „brennenden Schiffe“ überleben konnte. Kastuns, das sind die brennenden Schiffe, überfallen seit einiger Zeit immer wieder Welten Andromedas, zunächst nur sporadisch, schließlich jedoch immer gezielter. Die Tefroder, eines der größten Raumfahrenden Völker Andromedas, können sich, wenn ihnen die Flucht gelingt, nur noch selber retten. Gegenwehr ist scheinbar ausgeschlossen.

Die Hoffnung der Terraner ist folglich, bei den Maahks, einem weiteren großen Volk, welches meist verstekter lebt als die Tefroder, Hilfe zu erhalten. Zu den geheimen Stützpunkten dieses Volks führt sie ein Überlebender eines der Kastunangriffe: ein Maahk, der eine besondere Neigung zu allem hat, was fühlen kann (Maahks können bekanntermaßen ja nur rational folgern, und keine Emotionen spüren). Er ließ sich deshalb eine Maschine imlantieren, welche ihn Gefühle verstehen lässt, was im Laufe der Geschichte zu nicht nur einer interessanten Wendung führt.

Insgesamt wird in den Andromeda-Bänden immer wieder sehr interessant beschrieben, wie es um das „Innenleben“ der einzelnen Figuren bestellt ist. So wirkt nicht nur ein 3000-jähriger Perry Rhodan plötzlich sehr menschlich, sondern insgesamt wird die Handlung dadurch auch aufgelockert und letztlich geschickt vorangetrieben. Und man fiebert so viel mehr mit, als wenn – wie manchmal leider in der Heftreihe – die Figuren sich gegenseitig einfach nur an die Gurgel gehen.

Der große Gegenspieler ist in diesem Fall zunächst der Kommandant eines der Kastuns (das sich praktischerweise durch einige Aufbauten am Schiff von den restlichen Teilen der Flotte unterscheidet), der sämtliche Übergriffe befehligt: Takegath, ein Cyborg, der auf den Leser – um es nett auszudrücken – leicht irre wirkt. Oder durchgeknallt. Eher beides. Nachdem ihm der kleine Kreuzer der Terraner kurz nach dem Durchbruch durch die mysteriöse Barriere entkommen kann (Ha! Terranische Wertarbeit!), nimmt er das wohl ein wenig sehr persönlich und möchte den guten Perry lieber heute als morgen umbringen. Auch gut, haben aber schon einige vor ihm versucht, von daher nicht wirklich was neues. Leider sind die Kastuns den Völkern Andromedas, und zugegeben auch der terranischen Wertarbeit, technisch haushoch überlegen. Außerdem hat keiner in Andromeda eine Ahnung was die Flotte bezweckt.

Ersteres Problem löst sich, nachdem Perrys Truppe bei einem Gefecht zwischen Kastuns und den nun mit den Terranern verbündeten Maahks ein paar Messungen anstellen und mit der Erkenntnis, dass die Schutzschirme der Kastuns mit einer bestimmten Schussfrequenz zusammenbrechen, zumindest zunächst für ein Chancengleichgewicht sorgen.

Ich möchte hier auch nicht allzusehr ins Detail gehen – nur soviel: Die Kastuns sind beiweitem nicht so einfach zu knacken, wie es bei diesem „Randgefecht“ den Anschein haben mag.

Perry und seine Verbündeten erfahren nach und nach immer mehr über die Eindringlinge der Andromeda-Galaxie, dabei scheinen sie aber zunächst immer mehr Rätsel offenzulegen, als Antworten zu finden. Was ist zum Beispiel der schwerelose Zug? Dieses Rätsel versuchen sie von einem scheinbar sicheren Sonnensystem aus zu lösen. Denn nicht ganz Andromeda ist belagert – ein kleines Dorf… äh Sonnensystem hält sich wacker. Nur halt nicht durch Zaubertrank, sondern durch den Nukleus, einen alten Bekannten Rhodans. Oder eher: 34 000 Bekannte, denn der Nukleus ist eine Art Superintelligenz in den Windeln, welcher aus 34 000 Monochrommutanten (oder eher deren Bewusstseinen) besteht. Bei ihm findet sich auch der Ursprung Kiriaades, was sie für Rhodan übrigens nicht weniger attraktiv macht. Gut zu wissen, dass der Terranische Resident zwas unsterblich ist, nicht aber blind…

Der Nukleus ist aber nicht allmächtig, im Gegenteil – er hat seine liebe Müh damit die paar Planeten aus dem Kriegsgeschehen herauszuhalten. Hilfe wird von den Sternenhorchern angeboten, einem Volk, welches aller Raumfahrt entsagt hat und sich nur noch auf ein philosophisches Dasein konzentriert. Interessant ist hierbei immer wieder der Blickwinkel auf die Technik und den technologischen Fortschritt – während wir uns im Moment nichts fantastischeres vorstellen können, als eine erneute Mondlandung oder gar eine Mission zum Mars, so ist für dieses Volk die Raumfahrt beinahe eine Art Schreckgespenst. Diese neuen Perspektiven auf unsere Verhaltens- oder Denkweisen mag ich so an den Perry Rhodan-Geschichten.

Im vorletzten Band Der Schattenspiegel kommt es zur ersten großen Konfrontation: Takegath, der Kommandant der Kastuns trifft nun auf unseren Perry – und beißt sich wahrlich die Zähne an ihm aus. Tja, Taki, unser Perry ist halt so leicht nicht unterzukriegen! Aber auch hier, Hut ab! Denn eigentlich müsste Perry ein absoluter Spannungskiller sein – schließlich kann man den Namensgeber der Serie ja schlecht umnieten oder? – aber die Autoren schaffen es immer wieder, trotz Perrys faktischer Unfähigkeit zu Sterben, die Handlung spannend bis zum Schluss zu gestalten. Und in diesem Falle ist mit dem Ende von Band 5 ja noch lange nicht Schluss!

Man merkt, ich möchte hier zu den Abschlussbänden nicht mehr wirklich was zur Handlung schreiben, das würde nur den ganzen Spaß vorwegnehmen. Nur so viel: Die Zeitstadt ist für Perry und seine Gefährten definitiv eine Herausforderung – und für Perry ganz besonders, da er noch eine folgenschwere Entscheidung zu treffen hat, die ihm, wie er sich auch entscheiden mag, noch lange im Magen liegen wird. Und da hat die Unsterblichkeit nun wirklich nichts Angenehmes mehr… Die Zeitstadt hält, wie der Name schon verrät, übrigens die geballten Hintergründe der Kastuns für den Leser bereit.

Die gesamte Geschichte rund um Andromeda und die Kastuns ist durchweg spannend – wenn ich persönlich jedoch finde, dass der letzte Band in Teilen besser in die ersten Bände hätte eingeflochten werden müssen. Dann hätte man das Tempo der vorherigen Bände besser aufrecht erhalten können und der Abschluss wäre „runder“ gewesen. Alles in allem war es aber ein wesentlich zufriedenstellenderes Ende als bei der Pan-Thau-Ra-Trilogie, die nun wirklich mehr als abrupt endete. Abrupt war das Ende zwar auch irgendwie, aber letztlich gefälliger und in sich geschlossener als bei meinem ersten Ausflug in die Heyne-Perry-Geschichten.

Jetzt werde ich mich wieder den Heften widmen, bei denen ich viel zu weit zurück hänge. Aufholen ist angesagt!

In diesem Sinne – ad astra!