Eine kleine Anmerkung vorweg: Da dieses Buch wirklich ein ganz besonderes ist, werde ich mich nicht – wie bisher – an mein Rezensions-Schema halten. Und ich werde auch nicht jedes Buch einzeln rezensieren – das würde a) zu Unizeiten (die gerade wieder angebrochen sind) gar nicht möglich sein und b) das Buch unnötig „zerstückeln“. (Ach ja, die Bücher die ich vor diesem gelesen hab, werden natürlich auch noch rezensiert, keine Frage!)

Also:

Perry Rhodan – Andromeda ist ein Sammelband, in dem alle sechs einzeln erschienenen Bände zusammen gefasst sind. (Das ist zwar schonender für den Geldbeutel, aber nicht für die Handgelenke, die den Trümmer halten müssen!) Das sind:

Die brennenden Schiffe von Uwe Anton

Die Methanatmer von Hubert Haensel

Der schwerelose Zug von Leo Lukas

Die Sternenhorcher von Frank Böhmert

Der Schattenspiegel von Frank Borsch

Die Zeitstadt von Ernst Vlcek

Der Sammelband erschien 2005, gekauft habe ich ihn Anfang August 2010, gelesen von Mitte September 2010 bis Anfang Oktober 2010.

Anzahl der Seiten: 1068.

Cover: (Quelle: Amazon.de)

Worum geht es?

Der Band  Die brennenden Schiffe beginnt zunächst recht harmlos – Perry scheint nur mal eben ein wenig übergeschnappt zu sein. Nein, mal im Ernst, Perry wird gleich zu Beginn des Buches von einer wunderschönen, wenn auch reichlich unwirklich erscheinenden, unbekannten Frau geweckt. Die kann zudem auch nicht vom Schiffsrechner angemessen werden, theoretisch ist sie also gar nicht da.

Diese unbekannte Frau ist aber nicht (nur? ;)) zu ihrem Vergnügen da, vielmehr bittet sie Rhodan um Hilfe. Wobei und vor allem wo er helfen soll ist dabei jedoch unbekannt. Perry wäre aber wohl kaum Perry, wenn er sich nicht auch auf blauen Dunst hin aufmachen würde um wem auch immer zu Hilfe zu eilen.

Mit einer kleinen Crew, die in diesem und den folgenden Büchern auch immer wieder näher vorgestellt wird, macht er sich auf in Richtung Andromeda, sozusagen der „Nachbar“-Galaxis von der Milchstraße. In dieser Richtung, so Perrys Gefühl (vermutlich von Kiriaade, der geheimnisvollen Frau, beeinflusst) liegt die Bedrohung. Eine eigenartige Barriere am Rande Andromedas, welche das kleine Schiff nur mit großer Not zu durchstoßen vermag, bestätigt diese Vermutung. Irgendwas geht in Andromeda nicht mit rechten Dingen zu.

Was das ist wird nun auf meist zwei oder drei Ebenen erzählt – aus der Sicht der Crew (und Perry antürlich), ebenso wie aus der sicht einer tefrodischen Ärztin, die einen der Überfälle der „brennenden Schiffe“ überleben konnte. Kastuns, das sind die brennenden Schiffe, überfallen seit einiger Zeit immer wieder Welten Andromedas, zunächst nur sporadisch, schließlich jedoch immer gezielter. Die Tefroder, eines der größten Raumfahrenden Völker Andromedas, können sich, wenn ihnen die Flucht gelingt, nur noch selber retten. Gegenwehr ist scheinbar ausgeschlossen.

Die Hoffnung der Terraner ist folglich, bei den Maahks, einem weiteren großen Volk, welches meist verstekter lebt als die Tefroder, Hilfe zu erhalten. Zu den geheimen Stützpunkten dieses Volks führt sie ein Überlebender eines der Kastunangriffe: ein Maahk, der eine besondere Neigung zu allem hat, was fühlen kann (Maahks können bekanntermaßen ja nur rational folgern, und keine Emotionen spüren). Er ließ sich deshalb eine Maschine imlantieren, welche ihn Gefühle verstehen lässt, was im Laufe der Geschichte zu nicht nur einer interessanten Wendung führt.

Insgesamt wird in den Andromeda-Bänden immer wieder sehr interessant beschrieben, wie es um das „Innenleben“ der einzelnen Figuren bestellt ist. So wirkt nicht nur ein 3000-jähriger Perry Rhodan plötzlich sehr menschlich, sondern insgesamt wird die Handlung dadurch auch aufgelockert und letztlich geschickt vorangetrieben. Und man fiebert so viel mehr mit, als wenn – wie manchmal leider in der Heftreihe – die Figuren sich gegenseitig einfach nur an die Gurgel gehen.

Der große Gegenspieler ist in diesem Fall zunächst der Kommandant eines der Kastuns (das sich praktischerweise durch einige Aufbauten am Schiff von den restlichen Teilen der Flotte unterscheidet), der sämtliche Übergriffe befehligt: Takegath, ein Cyborg, der auf den Leser – um es nett auszudrücken – leicht irre wirkt. Oder durchgeknallt. Eher beides. Nachdem ihm der kleine Kreuzer der Terraner kurz nach dem Durchbruch durch die mysteriöse Barriere entkommen kann (Ha! Terranische Wertarbeit!), nimmt er das wohl ein wenig sehr persönlich und möchte den guten Perry lieber heute als morgen umbringen. Auch gut, haben aber schon einige vor ihm versucht, von daher nicht wirklich was neues. Leider sind die Kastuns den Völkern Andromedas, und zugegeben auch der terranischen Wertarbeit, technisch haushoch überlegen. Außerdem hat keiner in Andromeda eine Ahnung was die Flotte bezweckt.

Ersteres Problem löst sich, nachdem Perrys Truppe bei einem Gefecht zwischen Kastuns und den nun mit den Terranern verbündeten Maahks ein paar Messungen anstellen und mit der Erkenntnis, dass die Schutzschirme der Kastuns mit einer bestimmten Schussfrequenz zusammenbrechen, zumindest zunächst für ein Chancengleichgewicht sorgen.

Ich möchte hier auch nicht allzusehr ins Detail gehen – nur soviel: Die Kastuns sind beiweitem nicht so einfach zu knacken, wie es bei diesem „Randgefecht“ den Anschein haben mag.

Perry und seine Verbündeten erfahren nach und nach immer mehr über die Eindringlinge der Andromeda-Galaxie, dabei scheinen sie aber zunächst immer mehr Rätsel offenzulegen, als Antworten zu finden. Was ist zum Beispiel der schwerelose Zug? Dieses Rätsel versuchen sie von einem scheinbar sicheren Sonnensystem aus zu lösen. Denn nicht ganz Andromeda ist belagert – ein kleines Dorf… äh Sonnensystem hält sich wacker. Nur halt nicht durch Zaubertrank, sondern durch den Nukleus, einen alten Bekannten Rhodans. Oder eher: 34 000 Bekannte, denn der Nukleus ist eine Art Superintelligenz in den Windeln, welcher aus 34 000 Monochrommutanten (oder eher deren Bewusstseinen) besteht. Bei ihm findet sich auch der Ursprung Kiriaades, was sie für Rhodan übrigens nicht weniger attraktiv macht. Gut zu wissen, dass der Terranische Resident zwas unsterblich ist, nicht aber blind…

Der Nukleus ist aber nicht allmächtig, im Gegenteil – er hat seine liebe Müh damit die paar Planeten aus dem Kriegsgeschehen herauszuhalten. Hilfe wird von den Sternenhorchern angeboten, einem Volk, welches aller Raumfahrt entsagt hat und sich nur noch auf ein philosophisches Dasein konzentriert. Interessant ist hierbei immer wieder der Blickwinkel auf die Technik und den technologischen Fortschritt – während wir uns im Moment nichts fantastischeres vorstellen können, als eine erneute Mondlandung oder gar eine Mission zum Mars, so ist für dieses Volk die Raumfahrt beinahe eine Art Schreckgespenst. Diese neuen Perspektiven auf unsere Verhaltens- oder Denkweisen mag ich so an den Perry Rhodan-Geschichten.

Im vorletzten Band Der Schattenspiegel kommt es zur ersten großen Konfrontation: Takegath, der Kommandant der Kastuns trifft nun auf unseren Perry – und beißt sich wahrlich die Zähne an ihm aus. Tja, Taki, unser Perry ist halt so leicht nicht unterzukriegen! Aber auch hier, Hut ab! Denn eigentlich müsste Perry ein absoluter Spannungskiller sein – schließlich kann man den Namensgeber der Serie ja schlecht umnieten oder? – aber die Autoren schaffen es immer wieder, trotz Perrys faktischer Unfähigkeit zu Sterben, die Handlung spannend bis zum Schluss zu gestalten. Und in diesem Falle ist mit dem Ende von Band 5 ja noch lange nicht Schluss!

Man merkt, ich möchte hier zu den Abschlussbänden nicht mehr wirklich was zur Handlung schreiben, das würde nur den ganzen Spaß vorwegnehmen. Nur so viel: Die Zeitstadt ist für Perry und seine Gefährten definitiv eine Herausforderung – und für Perry ganz besonders, da er noch eine folgenschwere Entscheidung zu treffen hat, die ihm, wie er sich auch entscheiden mag, noch lange im Magen liegen wird. Und da hat die Unsterblichkeit nun wirklich nichts Angenehmes mehr… Die Zeitstadt hält, wie der Name schon verrät, übrigens die geballten Hintergründe der Kastuns für den Leser bereit.

Die gesamte Geschichte rund um Andromeda und die Kastuns ist durchweg spannend – wenn ich persönlich jedoch finde, dass der letzte Band in Teilen besser in die ersten Bände hätte eingeflochten werden müssen. Dann hätte man das Tempo der vorherigen Bände besser aufrecht erhalten können und der Abschluss wäre „runder“ gewesen. Alles in allem war es aber ein wesentlich zufriedenstellenderes Ende als bei der Pan-Thau-Ra-Trilogie, die nun wirklich mehr als abrupt endete. Abrupt war das Ende zwar auch irgendwie, aber letztlich gefälliger und in sich geschlossener als bei meinem ersten Ausflug in die Heyne-Perry-Geschichten.

Jetzt werde ich mich wieder den Heften widmen, bei denen ich viel zu weit zurück hänge. Aufholen ist angesagt!

In diesem Sinne – ad astra!


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